Am Musikklau sind Konzerne selbst schuld

DJ und Musiker Moby über seine neue DVD, Raubkopien aus dem Internet und die Politik der USA.

Moby, der mit bürgerlichem Namen Richard Melville Hall heißt, schaffte 1999 mit dem Album "Play" einen Riesenwurf. Auch der Nachfolger "18" verkaufte sich mehrere Millionen Mal. Ab 17. November ist seine neue DVD erhältlich, die neben einem kompletten Konzert diverse Videoclips, Sketche und Remixe umfasst. Pagandance.de sprach mit dem DJ und Musiker, der strikter Veganer und Nichtraucher ist und in New York ein vegetarischen Restaurant betreibt.

Es gibt eine neue DVD von Dir. Warum dieses Format?

Moby: Im vergangenen halben Jahr sammelte ich Musikvideos, Sketche, Remixe, ... Und eine DVD ist eben die perfekte Möglichkeit, all diese Dinge miteinander zu verbinden.

Warst Du auch in die Produktion involviert?

Moby: Klar, ich habe ja die gesamte Musik gemacht, in allen Videoclips mitgespielt und entschieden, was schließlich ausgewählt und auch veröffentlicht wurde. Das war ziemlich viel Arbeit.

Hast Du dabei an kommerzielle Aspekte gedacht?

Moby: Nein, ich wollte nur etwas wirklich Gutes und Interessantes schaffen. Natürlich denkt jeder, der eine Musik-DVD veröffentlicht, darüber nach, dass diese sich auch verkaufen muss. Aber das stand wirklich nicht im Vordergrund.

"18 DVD Plus B-Sides" enthält auch eine Audio-CD.

Moby: Ja, das ist doch eine tolle Sache. Wenn die Fans in die Plattenläden gehen, werden sie feststellen, dass insgesamt über sechs Stunden Material enthalten sind. Und falls sie das Set kaufen, kostet es kaum mehr als eine normale Album-CD. Dadurch erhalten die Fans wirklich viel für ihr Geld.

Die DVD zeigt das komplette Abschlusskonzert vom Glastonbury-Festival 2003. Warum dieses Konzert und kein anderes?

Moby: Das war einer der größeren Auftritte. Die BBC übernahm die Produktion. So hatten wir eine großartige Kamera-Crew und einen hervorragenden Sound. Das gesamte Festival war einzigartig. Von all unseren Konzerten ist dieses das am besten dokumentierte. Zudem hat es ganz persönliche Bedeutungen für die beteiligten Musiker: Wir waren fünf Jahre gemeinsam auf Tour.

Es gibt zahlreiche Remixe von Deinen Songs, auch auf der DVD.

Moby: Es ist doch schön, diese unterschiedlichen Interpretationen von verschiedenen Menschen zu hören. Das schadet dem Original nicht. Das steht doch sowieso für sich.

Wie werden die Remixer ausgewählt?

Moby: Oft entscheide ich, zum Beispiel wenn es Freunde sind oder Leute, deren Arbeit ich bewundere. Manchmal kommen auch Vorschläge von der Plattenfirma. Die Mixe auf der DVD sind die meiner Meinung nach besten der Songs aus dem "18"-Album.

Bist Du selbst DVD-Fan?

Moby: Einer der besten Aspekte des DVD-Formats ist die Möglichkeit, so viele Informationen auf einer einzigen Disc speichern zu können. Es ist doch großartig, entspannt einen Spielfilm oder ein Konzert zu genießen und dabei nicht einmal die Disc wechseln zu müssen. Ja klar. Ich bin ein großer DVD-Fan, denn dieses Medium verbindet unterschiedliche Medien.

Was gibt es über die Sketche auf der DVD zu berichten?

Moby: Die meisten davon entstanden auf Tournee. Mit einer Kamera nahm ich alle möglichen Dinge auf. Ich spüre wirklich nicht den Wunsch, Schauspieler oder Komiker werden zu wollen. Doch was manchmal gefilmt wurde, ist echt zum lachen.

Wie lebst Du heute - und wie hat Dich der Erfolg verändert?

Moby: Ich lebe noch immer in derselben Wohnung, erledige die Einkäufe noch immer in den gleichen Geschäften. Ich brauche nicht viel. Dass ich Musik machen und kochen kann, ist wichtig. Ich glaube nicht, dass Geld mich verändert hat.

Dein richtiger Name ist Richard Melville Hall. Wie kam es zum Künstlernamen Moby?

Moby: Das habe ich gar nicht entschieden. Meine Eltern nannten mich schon zehn Minuten nach der Geburt Moby. Und irgendwie habe ich diesen Namen behalten.

Du verurteilst die rechtlichen Maßnahmen gegen Nutzer von Internet-Tauschbörsen. Sollte Musik frei zugänglich sein?

Moby: Musik sollte nicht grundsätzlich kostenlos sein. Doch wenn ich die Preisentwicklung der vergangenen fünf Jahre betrachte, ist Musik für die Konsumenten einfach teurer geworden. Was Tauschbörsen im Internet betrifft, sehe ich darin vor allem die Möglichkeit, Musik und die Menschen dahinter bekannter zu machen. Aus Sicht der Tonträgerhersteller ist das Brennen sicher schwerwiegender. Doch ist es nicht eigenartig, dass einige davon zu Konzernen gehören, die zugleich CD-Brenner und Rohlinge produzieren? Die Konzerne haben sich ihr eigenes Problem geschaffen und wissen nun nicht, wie sie damit umgehen sollen.

Was magst Du an Deutschland, was nicht?

Moby: Was ich nicht mag, ist, dass fast jeder Zigaretten raucht. Aber natürlich gibt es auch viel Positives: Es ist ein wunderschönes Land. Viele Menschen sind gebildet und sozial eingestellt. Und meine Lieblingsmusik der vergangenen 15 Jahre kommt zum überwiegenden Teil auch aus diesem Land. Ich fühle mich sehr wohl in Deutschland.

Als strikter Veganer ist es in New York sicher einfach mit der Ernährung. Wie ist das auf Tour?

Moby: Stimmt, in New York ist das wirklich kein Problem. Hier in Lower Manhattan, wo ich lebe, gibt es viele verschiedene vegetarische Restaurants. Mir gehört sogar eines davon, es heißt "Teany". Auf Tour ist es aber auch nicht schwer. Fast jede große Stadt hat ein vegetarisches Restaurant und falls doch nicht, bieten fast alle Naturkost an. Aber ich koche auch gern selbst.

Was hast Du im nächsten Jahr vor?

Moby: Voraussichtlich im Januar veröffentliche ich ein Dance-Album unter dem Namen Voodoo Child. Die nächste Moby-Platte braucht noch etwas mehr Zeit, vielleicht erscheint sie im Herbst 2004. Bis dahin werde ich alles tun, um zu verhindern, dass Präsident Bush an der Macht bleibt.

Was hast Du gegen Bush?

Moby: Er ist ein schlechter Präsident, belügt Kongress und Öffentlichkeit. Das einzig Gute an ihm ist, dass er den politisch linken Flügel in den USA besonders motiviert.

Danke für dieses Gespräch.

Interview: © 2003 Heiko Meyer / Fotos: © 2003 Mute

Kontakt:

www.moby.com